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| Physharmonika |
- Erbauer: Harmoniumfabrik Philipp J. Trayser & Cie., Stuttgart
- Baujahr: 1859
- Sammlung Otto Heuss
"Physharmonika" ist einer der vielen älteren Namen des Instrumentes "Harmonium". Bevor sich die Bezeichnung "Harmonium", die auf ein Patent des französischen Instrumentenbauers Alexandre-François Debain im Jahre 1842 zurückgeht, gegen Ende des 19. Jahrhunderts allgemein durchsetzte, waren die unterschiedlichsten, fantasievoll gebildeten Namen in Gebrauch, z. B. "Panharmonikon", "Orgue-expressif", "Melodium", "Melodica", "Aeoline" und "Aeolodikon".
Das Harmonium ist in systematisch-instrumentenkundlicher Betrachtungsweise keine Orgel, da es zwar eine Klaviatur und ein Balgsystem, aber keine Pfeifen hat. Der Klang wird ähnlich wie in der Mundharmonika oder im Akkordeon von frei schwingenden Metallzungen erzeugt. Während Mundharmonikas und Akkordeons grundsätzlich sowohl mit Saugwind als auch mit Druckwind gespielt werden, ist die Windrichtung bei Harmoniums immer auf eine der beiden Möglichkeiten festgelegt.
Die in Europa im frühen 19. Jahrhundert erfundenen Harmonium-Instrumente arbeiteten zunächst ausschließlich mit Druckwind. Das Saugwind-Prinzip wurde später in den USA zur Marktreife gebracht und hatte einen so großen wirtschaftlichen Erfolg, dass sich im 20. Jahrhundert auch viele europäische Fabriken diesem Trend anschlossen.
Die einzige Zungenreihe der hier ausgestellten Physharmonika ist ständig eingeschaltet. Die beiden äußeren Registerzüge betätigen ein in Bass und Diskant geteiltes "Forte", bei dem sich im Inneren eine Klappe vor den Zungen öffnet. Mit dem mittleren Zug wird die Expression aktiviert, eine Vorrichtung, die den mit den Tritten erzeugten Wind ohne Umweg über ein Magazin in die Windlade strömen lässt, so dass sich Druckschwankungen durch langsames oder schnelles Treten unmittelbar auf die Lautstärke des Instrumentes auswirken.
